"Zurück zu den Wurzeln" - eine Analogie

Dieses schöne Bild inspiriert mich zu einem bildhaften Vergleich, einer sogenannten "Analogie" oder "Metapher", um das Verhältnis zwischen Ich, vergangenen Leben und der ewigen Seele zu verdeutlichen. 

Wenn wir uns einen Baum vorstellen, sehen wir einen Stamm, viele Äste und Zweige. Sagen wir einmal dieser sichtbare Baum symbolisiert unser gegenwärtiges Ich, unsere gesamte Persönlichkeit, eine für jeden sichtbare Struktur, die sich im Laufe dieses Lebens herausgebildet hat. In den Jahresringen des Baumes sind alle seine Erfahrungen gespeichert, die seine Struktur geprägt haben. Dieser formbildende Prozess hat offenbar in dem Moment begonnen, als der Samen in der Erde aufgegangen und erste Wurzeln gebildet hat. Doch auch dieser Samen ist nicht aus dem Nichts entstanden, sondern in ihm steckt wiederum das Erbgut eines anderen Baums. Der Samen symbolisiert in diesem Bild alles, was die gegenwärtige Persönlichkeit von ihren Vorgängern übernommen hat - das sogenannte Karma, das im wissenschaftlichen Denken als das genetische Erbe der Vorfahren verstanden wird. Ich sage nur: es sind in der Regel nicht die leiblichen Vorfahren, die in Rückführungen auftauchen, sondern oft Menschen aus ganz anderen Kulturräumen.

Jedenfalls hat jedes Wesen sein eigenes Ziel schon in sich und ist insofern im Sinne von Aristoteles eine "Entelechie". Seine Lebensaufgabe (Dharma) ist es in jedem Fall, seine Anlagen aus der Vergangenheit zu entfalten und Vergessenes wieder zu lernen - denn seine Seele ist schon vollkommen -, sich in der Erde zu verwurzeln und in den Himmel sozusagen "über sich hinaus" zu wachsen. Die Seele ist nicht von dieser Welt und dennoch die ewige Quelle der Lebenskraft. Sie selbst ist ein individueller Ausdruck des Einen Gottes, der in Allem ist, und insofern ist sie die alles überstrahlende Sonne in diesem Bild, die notwendig ist für das Wachstum des Baums, ebenso wie das Wasser und andere Nährstoffe aus der Erde. Der Fluss in diesem bildhaften Vergleich symbolisiert die Psyche, den Bereich der Emotionen und Empfindungen, die kommen und gehen - wie das Wasser in einem Fluss unaufhörlich strömt. Viele sehen gar nicht mehr die Sonne selbst, weil sie nicht mehr in den Himmel schauen bzw. in ihr inneres Heiligtum eintauchen. Sie sehen nur noch die Reflektionen des Lichtes im Wasser. Wenn wir in diesen Spiegel schauen und ein Sturm gerade durch unser Leben weht und unsere Emotionen aufwühlt, sehen wir Alles verzerrt. Wenn wir wieder innerlich zur Ruhe kommen, scheint das Wasser unserer Psyche wie eine spiegelglatte Oberfläche und wir erkennen, was wirklich ist und was Schein. Wenn wir uns dieses Bild genau anschauen, sehen wir zwei Bäume nebeneinander und wir können uns vorstellen, wie sich ihre Wurzeln unter der Erde "ineinander verwickelt" haben und sozusagen ein Energiefeld bilden. Mit diesem Bild vergleichbar sind karmische Beziehungen, die Wieder-Begegnung von Menschen, die gemeinsame Wurzeln in vergangenen Leben haben, durch die sie im gegenwärtigen Leben sich wieder zueinander hingezogen fühlen. Natürlich kann auch eine starke Abneigung diese gegenseitige Resonanz - in diesem Fall eine Antipathie erzeugen, sofern Hass die Grundlage dieser Beziehung war. Auch das bindet zwei Menschen, die sich nicht leiden können, aneinander und das Schicksal verlangt die "Entbindung dieses Schicksalsknotens", die Auflösung der Verwicklung. 

Rückführungstherapie verfolgt die Entstehung eines bestimmten Problems - ein Wiederholungsmuster im Leben eines Individuums oder innerhalb einer Beziehung - "zurück zu den Wurzeln" in der Vergangenheit der Seele, wobei sich häufig ein ganz anderes Ich zeigt, lateinisch "alter ego", dem etwas Bestimmtes zugestoßen ist (Opfer-Leben) und das irgendetwas Schlimmes getan hat (Täter-Leben). Entscheidend ist, dass dieses andere Ich kaum Gemeinsamkeiten hat mit dem gegenwärtigen Ich und dass sich der Betreffende dennoch voll und ganz mit ihm identifiziert, was man als "Alter-Ego-Bewusstsein" bezeichnen könnte. Durch den Prozess des "Sich-Wieder-Erinnerns" (Anamnesis) kann sich der Klient in der Regel von dem entsprechenden Problem befreien, sobald er erkennt: "Es ist eigentlich nicht mein Problem, auch wenn ich es immer schon hatte. Es hat irgendwann angefangen in einer anderen Zeit, an einem anderen Ort, mit einem anderen Ich, doch jetzt ist es vorbei."



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