Unerlöste Inkarnationen

 

Nachdem ich mich mit diversen Ansätzen innerhalb der herkömmlichen Reinkarnationstherapie auseinandergesetzt habe, erscheint mir eine Theorie und darauf aufbauende Therapie der „unerlösten Inkarnationen“ plausibler und effektiver zu sein als andere Methoden, die uferlos erscheinen, da sich hinter jeder Ursache eine andere Ur-Sache zu verbergen scheint. Nur der Geldbeutel und die Zeit setzt bei Rückführungen eine Grenze, sonst wäre ein „Regressus ad infinitum“ - ein Ausdruck von Kant, der hier bedeutet „Rückschritt ins Unendliche“ - möglich, aber kaum sinnvoll. Es stellt sich also die Frage, welche Erinnerungen an die Vergangenheit sind not-wendig und sinnvoll, aufgedeckt zu werden? Eine für mich stichhaltige Antwort gibt der amerikanische Psychologie-Professor David W. Cliness, über den leider keine Aufzeichnungen hierzu im Internet zu finden sind (er lehrte an der Youngstown State-University). Beschrieben wird sein Ansatz, das Resultat von 15 Jahren Forschungsarbeit, in dem einschlägigen Werk von Christopher M. Bache „Das Buch von der Wiedergeburt“. Der Autor, der sich als Religionswissenschaftler mit der Reinkarnationslehre auseinander setzt, hat selbst mit Prof. Cliness jahrelang zusammen gearbeitet und hat sich auch nach seiner Methode behandeln lassen, war zutiefst beeindruckt von dem Feld-Effekt, die Auswirkungen auf sein Leben und der Personen, die mit ihm karmisch verbunden sind.

 

Im Gegensatz zu anderen Methoden geht Cliness nicht gezielt vor, sondern lässt im hypnotischen Zustand alles spontan an die Oberfläche kommen. Was sich zeigt, ist in der Regel eine unerlöste Inkarnation, die unter einem gewissen Leidensdruck steht, „als ob sie gerade etwas ganz Schlimmes erlebt“ (natürlich könnte es auch ein fremdes „unerlöstes Ich“ sein – doch das Phänomen der Besessenheit steht für Cliness nicht zur Debatte). Jeder trägt laut Cliness drei bis fünfzehn, manchmal auch mehr solcher unerlöster Vorgänger mit sich herum, die in ihrem Erleben erstarrt sind - wie eingefroren in Zeit und Raum. Ja, der Schmerz dieses „anderen Ich“ (alter ego) ist „hier und jetzt“ präsent und alles andere als „vergangen“. Dabei verhält sich dieses „alter ego“ wie ein Partner zu dem gegenwärtigen Ich, so dass durchaus ein Dialog und eine Interaktion möglich ist. Bache schreibt dazu (S.161):

Wir erkunden ihren Schmerz und erkennen, daß die Fragen, die sie zu ihren Lebzeiten nicht lösen konnten, den Kern der Probleme bilden, mit denen wir in der Gegenwart zu kämpfen haben. Ihre Konflikte sind zu unseren Konflikten geworden; hinter unseren Lebensstrategien stehen die ihren, und wo weiter. Wenn wir in unseren Begegnungen mit ihnen verschiedene Traumata wiedererleben, die sie zu Lebzeiten durchgemacht haben, dann spielt sich dieses Wiedererleben oft als ein Erlebnis ab, das sich das frühere Subjekt mit unserem jetzigen Ich teilt. In dieser Begegnung scheinen sich zwei lebende Wesen in einem gemeinsamen Anliegen gegenüber zu treten.“

Demnach ist es unsere Aufgabe, diese Vorgänger zu erlösen und damit unser Karma aufzulösen. Aber ebenso kommen Sie uns dabei entgegen (ebda.):

Sie scheinen verpflichtet zu sein, uns bei der Lösung dieses Problems, das jetzt uns beide angeht, zu helfen, vielleicht weil sie der eigentliche Grund für sein Auftauchen waren.“

Cliness spricht von einem „Kollektiv“ von Wesen, die dynamisch und lebendig erscheinen. Bache nimmt an, „daß diese Inkarnationen irgendwo im Universum bewußt existieren ... in einer Umgebung zu leben, die jener ähnelt, die sie auf der Erde gekannt haben. Das gilt besonders für noch unerlöste Inkarnationen. Sie scheinen beseelt, aber solange sie noch nicht ins Licht zurückgeführt, gebunden zu sein.“

 

Ich ziehe daraus folgende Schlüsse:

 

Eine unerlöste Inkarnation entsteht, wenn eine Ich-Persönlichkeit nach dem Tod nicht ins Licht geht, sondern in seiner irdischen Welt gefangen bleibt, in einer "Zwischenwelt". In diesem Fall verbindet sie sich nicht mit der Seele und kann ihre irdischen Erfahrungen nicht regelrecht verdauen. Sie bleibt sozusagen in ihrem emotionalem Sumpf stecken, in ihrer Zeit eingefroren, eine sogenannte "erdgebundene Seele" oder besser gesagt ein "erdgebundenes Ich" , denn gleichzeitig existiert die ewige Seele, das Selbst oder der Kern dieses Egos, unabhängig von diesem Ich außerhalb dieser niederen Schwingungsebene. Auch wenn das Ich erdgebunden bleibt, kann sich die höhere Seele in einem „neuen Ich“ inkarnieren, das dann wiederum die Last (Karma) dieses Vorgängers, dieser sogenannten unerlösten Inkarnation mitschleppt, da beide Egos über die gemeinsame Seele - Bache nennt es die "Überseele" - miteinander verbunden sind. Das neue Ich zieht ähnliche Probleme an wie dieser Vorgänger, da es sein Problem lösen und ihn damit erlösen soll („Erlösen“ bedeutet „Ins Licht gehen“, „Sich mit der Seele verbinden“).

Aber auch eine „unerlöste Inkarnation“, die im Grunde nichts anderes ist als eine „erdgebundene Seele“ im üblichen Sprachgebrauch, kann sich erneut verkörpern, ohne zuvor ins Licht der Seele gegangen zu sein. Rückführungen haben ergeben dass Soldaten aus dem zweiten Weltkrieg auf dem Schlachtfeld gestorben und nur wenige Zeit später wieder geboren worden sind. In diesem Fall ist das „neue Ich“ extrem belastet von Erinnerungen an den gewaltsamen Tod des Vorgängers. Dasselbe gilt wohl für Kulturkreise, wo man daran glaubt, unmittelbar nach dem Tod sich eine neue Existenz zu sichern in einem Mutterleib. Auch in diesem Fall ist es kein Wunder, dass lebhafte Erinnerungen an das Vorleben die neue Inkarnation überschatten.

 

Unter diesem Aspekt ist es durchaus plausibel, warum soviele schreckliche Tragödien in Rückführungssitzungen an die Oberfläche kommen. Da wird man/frau gefoltert, gehenkt, geköpft, verbrannt, erstochen, auf diverse Art und Weise umgebracht oder von einem anderen Schicksalsschlag getroffen. Solche sogenannten Opferleben zeigen sich spontan eher als entsprechende Täterleben, die ebenso abrufbar sind. Das kann unmöglich dem Wunschdenken der Fantasie entspringen, aber es ist eben auch nicht repräsentativ für die Fülle von eher langweiligen Inkarnationen, in denen der Betreffende eines natürlichen Todes gestorben ist. Es zeigen sich eben spontan eher die tragischen Leben, in denen jemand plötzlich aus dem Leben gerissen wird, weil diese Ich-Persönlichkeiten nicht erlöst, d.h. nicht "ins Licht" gegangen sind. Sie haben deshalb ihre irdischen Erfahrungen nicht verdaut und ihre "unerledigten Angelegenheiten" an die gegenwärtige Inkarnation weiter vererbt. Ihre Wunden markieren unseren eigenen "wunden Punkt" und wir ziehen entsprechende Verletzungen an (vgl. 2. Fallbeispiel).  


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