Schuld = Karma?

 

Der Begriff „Schuld“ wird oft gebraucht anstelle des moralisch-wertfreien Begriffs der „Verursachung“ und insofern hat er eine ähnliche Bedeutung wie der indische Begriff „Karma“, der das Gesetz von Ursache und Wirkung beinhaltet - oder wie es Jesus formuliert haben soll: „Was du säst, das wirst du ernten“. Gerade in dieser Interpretation wird deutlich, dass Karma auch positive Früchte tragen kann, und damit über den Schuld-Begriff weit hinaus geht, der generell negative Assoziationen weckt: etwas getan zu haben, was man nicht tun soll, oder etwas unterlassen und versäumt zu haben, was man hätte tun sollen. Ich plädiere dafür, das Schuld-Konzept aus der Reinkarnationstherapie zu streichen und allenfalls "Schuld-Gefühle" zu behandeln und uns ansonsten eines Urteils zu enthalten, ob ein Täter oder Opfer tatsächlich Schuld trägt an seinem Schicksal. Warum? Wenn ein Klient dazu gebracht wird, sich eine Schuld einzugestehen, was durchaus so praktiziert wird bei der Aufdeckung von sogenannten "Täterleben" und den daraus resultierenden "Opferleben", oder wenn jemand darauf aufmerksam gemacht wird, wie er es damals hätte besser machen können, weckt das in ihm automatisch Schuld- und Minderwertigkeitsgefühle, das Bewusstsein der Unvollkommenheit. Das ist meiner Auffassung nach kontraproduktiv für eine aufbauende Therapie. Ein Therapeut sollte nicht urteilen, nicht richten über seine Klienten und ihnen dabei helfen, sich von Schuldzuweisungen zu enthalten: „Denn wer von euch ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein“. Natürlich entbindet die "Ent-schuldung zwecks Ent-lastung" ihn nicht von seiner Verantwortung. Jedenfalls möchte ich die Menschen, die zu mir kommen, von Schuldgefühlen entlasten, sie ermutigen, „ihren Schuldigern“ und sich selbst zu vergeben. Denn nur auf diese Weise wird das endlose Leiden beendet, das nicht von einem strafenden Gott oder einem unbarmherzigen Karma-Gesetz geschaffen ist, sondern von Menschen, die meinen, sich aufgrund einer vermeintlichen Schuld sich selbst bestrafen zu müssen.

 

Hierzu ein Beispiel zur Veranschaulichung meiner Sichtweise: Wer in einem früheren Leben im Bewusstsein gestorben ist, etwas Schlimmes getan oder etwas Gutes nicht getan zu haben, mit dem letzten Gedanken, „diese Schulden auf Heller und Pfennig zurückzahlen zu müssen“, wird in den kommenden Inkarnationen von diesem unbewussten Programm bestimmt, das sich immer wiederholt wie eine Endlos-Schleife. Er wird ackern und schuften, ohne etwas dafür zu bekommen – weder Anerkennung, noch Besitz, noch Erfolg. Er meint, ganz viel tun zu müssen für andere, um eine vergangene Schuld wieder gut zu machen. Gleichzeitig meint er, nicht das Recht zu haben, etwas Positives zu verdienen, weil er ein schlechter Mensch ist, also erntet er auch nichts. Dieser "Schicksalsknoten" kann nur entbunden werden, wenn der Mensch sich von dem zugrunde liegenden Schuldgefühl befreit und sich selbst vergibt. In diesem Fall ist es unumgänglich, das Täterleben anzuschauen, aber nicht in jedem Fall, denn in der Regel leiden Patienten unter den Nachwirkungen von Opferleben! Ich neige immer mehr zu der Ansicht: Es sind vielmehr die unsinnigen Gedanken, die unsere Schicksalsfäden weben, als die "Nornen" oder oder "Herren des Karma", die über unser Leben Regie führen und Alles so bestimmen, dass es sich nahtlos ineinander fügt und zusammen passt. Was jemand im Augenblick des Sterbens fühlt und denkt, wird zum Programm in folgenden Leben, und was sich daraus ergibt, ist keineswegs immer sinnvoll. Da gibt es ganz viel unnötiges, unsinniges Leiden, das beendet werden sollte. Darin sehe ich das wichtigste Ziel meiner Therapie, die "Karma-Auflösung".


 


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